Dieses
Kirchweihfest zieht jeden Betrachter in seinen Bann. Etwa zum Ende des
19. Jahrhunderts stehen fast lebensgroße Figuren auf einem Marktplatz.
Musik ist zu hören und ein Karussell, bis auf den letzten Platz voll
besetzt mit Puppenkindern, dreht sich. Eine Marktfrau bietet Obst und
Gemüse feil, ein Ausklingler verkündet die Neuigkeiten im Ort. Eine
Gruppe fremdländisch aussehender Menschen mit Tieren, fahrendes Volk,
sorgt bei den Leuten auf dem Festplatz für Aufsehen.
Die einmalige Darstellung eines Kirchweihfestes,
die weltbekannte Gruppe der "Thüringer Kirmes" hat ihre
Heimstatt im Deutschen
Spielzeugmuseum. Das Schaustück war eine Gemeinschaftsarbeit der
Sonneberger Spielzeugindustrie für die Weltausstellung 1910 in Brüssel.
Bereits damals fand diese meisterhaft gestaltete und lebensecht wirkende
Szenerie viele Bewunderer. Sie hinterließ einen Tiefen Eindruck bei den
Betrachtern und Juroren. Die Schaugruppe wurde mit dem Grand Prix, der
höchsten Auszeichnung der Weltausstellung geehrt.
Kulturgut in Not
Umringt von Neugierigen trifft ein Wanderzirkus auf einem Volksfest ein.
Mit Karussell, Schießbude, Fachwerkhäusern und 67 zum Teil fast
lebensgroßen Figuren inszenierten Spielzeugfirmen aus Sonneberg und
Thüringen ein idyllisches Bild. Zweck der Schaugruppe war es, auf der
Weltausstellung in Brüssel 1910 für die Produkte der Spielzeugindustrie
zu werben. Von den seit 1851 stattfindenden Weltausstellungen –
Industrieschau, Imagekampagne der Nationen und Riesenvolksfest in einem
– haben sich oft nur einzelne Objekte oder Pavillons erhalten. Die
Bewahrung einer ganzen Inszenierung ist ein einmaliger Glücksfall.
Die "Thüringer Kirmes" ist ein unersetzliches Dokument über
Selbstdarstellung und Werbestrategie der Spielzeugindustrie zu Beginn
des 20. Jahrhunderts. Durch frühere Überarbeitungen und ein
problematisches Raumklima besteht für das fast 100jährige Ensemble
dringender Restaurierungsbedarf. Informationen zur Restaurierung und zur
Spendenaktion erhalten Sie
hier.