| Bummel durch die Sonneberger Architektur |
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Wie ein Füllhorn quillt die Spielzeugstadt Sonneberg aus den engen Tälern des Schiefergebirges in die Ebene, die sich nach Franken hin öffnet. Im Bezug zur mitteleuropäischen Kunst- und Architekturgeschichte sind Sonneberg und seine einzelnen Ortsteile sehr jung. Die Bürgerschaft nutzte nach dem letzten Stadtbrand
von 1840 die Chance einer zukunftsträchtigen Stadtplanung. Weit entfernt vom damaligen
Stadtrand wurde die neue Stadtkirche St. Peter errichtet. Als Architekten holte
man sich Karl Alexander von Heideloff, einen der bedeutendsten neugotischen Architekten
Deutschlands. Im neugotischen, im "vaterländischen Stil", sah das liberale Bürgertum nicht nur einen
repräsentativen Baustil, sondern auch einen Ausdruck seiner politischen Einstellung,
die in Richtung eines geeinten Deutschlands ging. Doch der Bau von Kirche und
altem Rathaus –
ebenfalls ein Bau Heideloffs – war nur der Auftakt zu einer immer
stürmischeren Entwicklung. Nach dem ersten Weltkrieg
holte man sich eigene Architekten nach Sonneberg. Der langjährige
Stadtbaudirektor Karl Dröner dürfte der bedeutendste unter ihnen sein. Unter seiner
Regie wurde das moderne Stadtbild während der 20-er Jahre vollendet und 1927/28 das
neue Rathaus errichtet. Nennenswertes schufen
aber auch die Sonneberger Architekturbüros von Walter Buchholz sowie Boxberger &
Herbart. Die Verwendung neoklassizistischer Formen – so bei Rathaus und AOK-Gebäude am
Bahnhofsplatz – findet sich in Sonneberg ebenso wie expressionistische Architektur und
Motive des Art Déco. Sonnebergs Besonderheiten sind aber nicht architektonische Großprojekte. Wer diese entdecken will, der muss genauer hinsehen, durch die Stadt bummeln. Dann wird er so manches liebevolle Detail finden, dem in den letzten Jahren wieder mehr zur Geltung verholfen wurde. Schaut man näher hin, wird man oft einen
deutlichen Bezug zu Funktion und Hausbesitzer erkennen. Da thront über der einstigen
Industrieschule – dem heutigen Spielzeugmuseum – die Göttin aller Künste, Athene,
während in der benachbarten ehemaligen Handelsschule der Handelsgott
Merkur über allen wacht. Das AOK-Gebäude am Bahnhofsplatz und das einstige
"Volkshaus" am Unteren Markt zeigen an der Fassade Reliefs, die sich auf
Spielzeug und die Spielzeugindustrie beziehen. Wenn Sie also einmal Lust haben, durch die
letzten 160 Jahre Baugeschichte zu spazieren, dann wäre die Spielzeugstadt Sonneberg die
richtige Adresse. |
![]() Deutsches Spielzeugmuseum, ehemalige Handelsschule ![]() Altes Rathaus am Markt – 1997 umfassend saniert ![]() Gebäudeensemble am Bahnhofsplatz – AOK-Gebäude und neues Rathaus ![]() Sonneberger „Bügeleisen“ nach dem Vorbild des Flat Iron Building in New York ![]() ![]() In der Coburger Allee ![]() Fassadendetail am Kressge-Einkaushaus ![]() PIKO-Platz ![]() Die Bärenskulptur am PIKO-Platz lädt zum Spielen ein |